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Geschichten eines Medieninformatikers

Studieren? Was ist wichtig?

Student mit Laptop

Viele junge Menschen stellen sich sicher gerade die Frage: Meine Schulzeit ist nun vorbei - was fange ich mit meinem Leben an? Soll ich Studieren? Was bringt es mir? Und was erwartet mich an der Uni/FH eigentlich?

Ich werde bald vor eine große Scharr Studenten treten und ihnen erzählen was sie in der Arbeitswelt erwartet. Und bevor ich das tue, will ich erst mal ein paar Worte darüber verlieren, wieso es toll ist zu studieren. Dieser Text beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass es an jeder Uni/FH genau so läuft. Ich bin mir sicher, dass einige von euch ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Und genau diese Erfahrungen würde mich sehr interessieren. Daher schreibt mir in die Kommentare wie es bei euch war.

Wir schreiben das Jahr 2004. Ich bin gerade fertig mit dem Abi. Was meine Berufswahl angeht will ich etwas mit Computern machen oder "etwas mit Medien". "Studier' BWL", sagt mein Vater. "Die Verdienen richtig viel Geld!". BWL? Nein, das ist nichts für mich. Viel zu trocken und zu theoretisch. Ich brauche etwas, das mir spaß macht, wo ich meine Leidenschaft reinstecken kann und an dessen Ende ein Produkt steht. Wie z.B. eine Website. Ich entschließe mich dazu Informatik zu studieren.

Studieren... Was ist das eigentlich? Natürlich kenne ich den Begriff, aber es ist mir total unklar was mich da erwartet. Ist das wie Schule? Kriegt man da Noten? So von 1-6? Oder gibt's da andere Noten? Ich habe überhaupt keinen Plan, dass die geilste Zeit meines Lebens vor mir liegt. Und deswegen will ich euch ein paar Tipps und Ratschläge geben, wie auch ihr aus dem Studium die geilste Zeit eures Lebens machen könnt. 

Studieren ist wie Schule

Ja, studieren ist wie Schule. Man hat Unterricht, einen Lehrer, der aber nicht Lehrer sondern Professor oder Dozent heißt und man bekommt Noten. Von 1-5. Eine 6 gibt es jedoch nicht.

Unterschiede gibt es trotzdem

Man schreibt pro Fach bzw Vorlesung in der Regel (zumindest war es bei mir so) eine Klausur (Klassenarbeit) und die am Ende des Semesters (Halbjahr). Diese Klausur entscheidet darüber ob man das Fach bestanden hat oder es wiederholen muss. Man besteht ein Fach, in dem man in der Klausur eine Note zwischen 1,0 und 4,0 erreicht. Die Noten zwischen 1,0 und 4,0 sind in der Nachkommastelle abgestuft. So gibt es z.B. neben der 1,0 auch die 1,3 1,5 und 1,7. Eine 1,7 ist in etwa mit einer 2+ in der Schule vergleichbar. Die 4 hat aber keine Abstufungen. Es gibt nur die 4,0. Alles was schlechter als 4,0 ist, ist automatisch "Nicht Bestanden" und somit eine 5. Das erklärt auch wieso es keine 6 gibt. Schlechter als "Nicht bestanden" gibt es einfach nicht.

An einigen Unis/FHs schreibt man, je nach Studiengang und Fach, auch Hausarbeiten. Jedoch kam ich nie in den "Genuss" eine zu schreiben, sodass ich dazu nicht wirklich etwas berichten kann. Bei uns gab es das schlicht und ergreifend nicht.

Studieren ist nicht wie Schule!

Das wars aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Denn studieren ist eigentlich ganz anders als Schule. Es ist viel freier und man lernt als freier Mensch zu handeln. Das ist anders als in der Schule. In der Schule muss man immer das machen, was ein Lehrer einem sagt. Egal ob man es für richtig oder Schwachsinn hält.

Den Professor fragt z.B. niemand ob man aufs Klo gehen kann. Man geht einfach. Und wenn es keine Anwesenheitspflicht in der Vorlesung gibt, dann interessiert es auch keinen ob man hingeht oder zu Hause bleibt. Daher kommt auch das Vorurteil Studenten seinen faul. Wenn man keinen Bock auf eine bestimmte Vorlesung hat, dann kann man einfach weiter zocken oder im Bett bleiben. Man ist nämlich für sich selbst verantwortlich und muss lediglich am Ende des Semesters die Klausur bestehen. Kann man das ohne in die Vorlesung zu gehen, dann ist es auch egal ob man geht.

Eine schöne Anekdote an dieser Stelle: Ich hatte im 4. Semester eine Vorlesung namens Projektmanagement. Ein Nebenfach für Medieninformatiker (ja, so etwas gibt es auch). Die Vorlesung war montags morgens um 9 Uhr. Also für Studenten zu tiefer Nacht. Und nach 6 Wochen (von insgesamt 12) wurde die Vorlesung eingestellt, weil dort morgens um 9 Uhr kein einziger Student erschienen ist. Das Skript zur Vorlesung, was für die Klausur gebraucht wurde, stand im Netz und daher hielt es auch niemand für nötig dort zu erscheinen.

Das ganze bringt mich nun auch zu meiner Kernaussage:

Was im Studium wirklich wichtig ist!

Das Studium war bisher die schönste Zeit in meinem Leben. Und ich will euch nun hier erklären wieso:

Zu keiner anderen Zeit, außer wenn ihr später mal in Rente seid, könnt ihr so wirklich tun und lassen was ihr wollt. In die Schule müsst ihr gehen, denn es gibt eine Schulpflicht. Man braucht eine Krankmeldung, wenn man zu Hause bleibt. Die Fehltage stehen sogar auf dem Zeugnis. Ihr müsst vor allem Dinge lernen, die ihr für total unnötig haltet und bei denen man sich ständig fragt: "Für was brauche ich diesen Scheiß?"
Später in der Arbeitswelt bekommt ihr einen Arbeitsvertrag in dem genau drin steht, von wann bis wann ihr zu arbeiten habt und wie viele Tage ihr im Jahr Urlaub bekommt. In Deutschland sind das mindestens 20 Tage bei einer 40h/5 Tage Woche. Aber kaum einer wird mehr als 30 Tage im Jahr bekommen. Und auch in der Arbeitswelt braucht ihr eine Krankmeldung, wenn ihr einmal nicht zur Arbeit kommen könnt.
Doch im Studium ist genau dieses "Eingepfercht-Sein" anders. In diesen ca. 8 Semestern (4 Jahren) seid ihr wirklich FREI!!

Natürlich habt ihr eine Aufgabe und müsst zusehen, dass ihr die Klausuren besteht, aber das ist nicht der Punkt. Das wesentliche Kernelement ist, dass ihr niemandem (vielleicht max. euren Eltern) zu Rechenschaft verpflichtet seid. Es ist egal ob ihr zur Uni geht oder zu Hause bleibt. Es ist egal ob ihr am Wochenende Party macht oder zu Hause bleibt. Man muss keine Krankmeldung vom Arzt holen, wenn man mal keinen Bock hat und es gibt auch keinen Arbeitsvertrag in dem drin steht, dass ihr nur maximal 2 Tage Urlaub im Jahr habt. Man kann wirklich tun und lassen was man will und genau das ist auch gewollt. Denn nur so kann man sich als Mensch wirklich frei entfalten und herausfinden was einem wirklich wichtig im Leben ist. Denn genau das sollte man tun, wenn man später im Arbeitsleben auch das tun will was einem Spaß macht.

Ich will das so genau betonen, da ich Menschen in meinem Umfeld habe, die das eben nicht getan haben. Die sich weiterhin selbst eingepfercht und in die Vorlesungen geprügelt haben. Die am Wochenende nicht Party gemacht sondern sich zum lernen gezwungen haben. Auch wenn ihr dann länger für euer Studium braucht, so ist das nicht Sinn der Sache. Diese Menschen leiden jetzt genau darunter.

Person A z.B. will jetzt, da sie arbeitet, all das nachholen was sie während des Studiums nicht getan hat. z.B. die Nächste durch feiern. Doch dabei ist sie sehr unglücklich, weil sie niemanden findet der vor allem Zeit und Lust hat mit ihr zu gehen. Wenn man 5 Tage die Woche arbeitet, dann sind viele Menschen einfach froh am Wochenende nichts mehr tun zu müssen. Und wenn man älter wird, dann will man auch nicht mehr bis morgen um 4 in irgendwelchen Clubs hocken und von Leuten umgeben sein, die direkt mal 10 Jahr jünger sind. Das kann man mal machen, aber nicht ständig. Während meines Studiums war ich regelmäßig bis 3 Uhr wach, hab gezockt oder war feiern. Auch unter der Woche. Und wenn um 9 Uhr mal Vorlesung war, bin ich einfach zu Hause geblieben. In der Regel hatte ich sogar erst um 10:40 die erste Vorlesung und Freitags sogar ganz frei. Dann kann man auch mal etwas länger machen abends. Das geht in der Arbeitswelt einfach nicht mehr.

Person B hat die Zeit nicht genutzt um herauszufinden was sie wirklich will im Leben. Und hängt jetzt in einem Job fest, dessen Bereich sie zwar Studiert hat, jedoch nach kurzer Zeit und einigen Job-Wechseln festgestellt hat, dass es für sie doch das falsche war und sie sich schlicht und ergreifend nie getraut hat etwas anderes zu studieren oder einen anderen Weg einzuschlagen.

Ich will deswegen an alle jungen Menschen appellieren, die es geschafft haben diesen ganzen Text bis hier hin zu lesen:

  • Habt Mut zu Fehlern und auch zur Faulheit
  • Die Regelstudienzeit ist nicht wichtig oder ob ihr das Studium geschmissen und dann etwas anderes ausprobiert habt.
  • Nehmt euch die Zeit das Leben zu genießen, denn ihr seid nur einmal so jung und könnt nur in dieser Zeit so richtig machen was ihr wollt.

Kinder, lasst euch Zeit! Man muss nicht gleich mit 17/18 studieren und mit 22 als fertiger Master in die Arbeitswelt starten. Lieber etwas länger überlegen und vor allem noch etwas Kind sein. Mit 17 an der Uni (heute keine Seltenheit) hat man eh nur halb so viel Spaß. Und es ist in dem Alter oft auch so schwer zu bestimmen, was man beruflich machen möchte, weil man einfach auch zu wenig über die Welt weiß. Genießt euer Studium und zwingt euch nicht selbst zu etwas, was ihr nicht wollt. Denn ihr werdet für den Rest eures Lebens schon genug gezwungen Dinge zu tun, auf die ihr keinen Bock habt.

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