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Geschichten eines Medieninformatikers

Die GEMA-Hölle in Deutschland

DJ im Club

Auch wenn die Überschrift sehr reißerisch klingt, will ich eins vorweg nehmen: Ich will hiermit niemandem ans Bein pickeln und die Musiker sollen für ihre Arbeit entlohnt werden. Das ist auch gar nicht mein Problem. Ich will auf einen Missstand hinweisen.

Ich bin Kreativer. Digitaler, visueller Kreativer. Das heißt ich arbeite mit Bildern und nicht mit Worten oder Tönen. Doch besonders bei Bewegtbild ist erst der richtigen Ton das Salz in der Suppe. Und weil das so ist und mein Film/Clip sich erst dann gut verkauft wenn ich Musik drunter packe, brauche ich genau das: Gute Musik. Ich bin aber eben kein Musiker und kann leider nicht einfach mal so selbst Musik schreiben. Das sollen schon genau die Leute machen, die das gut können. Und genau die sollen auch was daran verdienen. Für diesen Zweck gibt es die GEMA in Deutschland.

Ich denke, wie die GEMA funktioniert muss ich hier jetzt nicht weiter erläutern. Dazu gibt es unzählige Artikel auf Google.
Mein Problem ist viel mehr, dass die GEMA ein Konstrukt ist, dass es mir als Kreativem extrem schwierig macht, Musik einzukaufen und zu verwenden. Ich will euch dazu ein Beispiel geben:

Wenn ich ein Plakat mache und auf dem Plakat soll eine glückliche Familie auf einer grünen Wiese zu sehen sein, dann kann ich auf unzählige Bild-Datenbanken zugreifen, auf denen Fotografen ihre Bilder anbieten. Da gibt es auch welche, die ich für 20€ schon in super Qualität nutzen kann. Die Nutzungsbedingungen schreiben mir dabei in der Regel vor, dass ich als Kreativer das Bild für genau ein Werk (also das Plakat) nutzen darf. Egal wie oft es später gedruckt und verbreitet wird. Wenn der Kunde das Plakat gekauft hat und solange er es nicht für ein 2. Plakat nutzen will, kann ich das Bild einfach kaufen und nutzen ohne mir großartig Gedanken über das Foto machen zu müssen.
Der Fotograf bekommt sein Geld und ist glücklich, ich erhalte mein Geld vom Kunden und bin glücklich und der Kunde hat ein super Plakat und ist glücklich. Wie wir sehen ist in der Welt der Bilder alles in Ordnung.

Aber wie sieht das jetzt bei der Musik aus?

Wenn wir auf dieses Beispiel mal auf die GEMA anwenden, dann sähe die Sache folgendermaßen aus:
Ich kaufe das Bild vom Fotografen. Da der Fotograf vor 10 Jahren mal gedacht hat, es wäre doch cool der GEMA beizutreten sind alle Fotos von ihm nun GEMA geschützt. Das heißt, wenn ich jetzt das Plakat an den Kunden verkaufe, muss der Kunde das Plakat bei der GEMA melden. Aber das reicht noch nicht. Er muss der GEMA dann sagen ob er das Plakat auf einer Messe aufstellen, an einer Bushaltestelle aufhängen oder als Poster verteilen will. Denn je nach dem was er damit machen will, muss er wieder Geld an die GEMA bezahlen.

Das heißt also, dass ich zu erst dem Fotograf Geld für die Lizenz bezahle, der Kunde dann mich bezahlt und der Kunde dann auch noch mal die GEMA bezahlen muss, damit der Fotograf seine Tantiemen bekommt. Das heißt der Fotograf bekommt dann erst einmal Geld von mir für das Foto und anschließend noch mal vom Kunden über die GEMA jedes mal wenn der Kunde eines der Plakate aufhängen will. Ich muss sagen ich finde dieses System nicht bloß dreist und "unkreativ" sondern auch ziemlich pervers.

Der Missstand

Das große Problem dabei ist jetzt folgendes: Die GEMA hat in ihren Bestimmungen stehen, dass ein Musiker, der Mitglied bei der GEMA ist, nicht mehr frei entscheiden kann ob er seine Werke GEMA-Pflichtig macht oder GEMA-Frei. Der Musiker kann ab diesem Moment NIE WIEDER GEMA-Freie Musik komponieren. Einmal GEMA, immer GEMA.
Wenn ich als Kreativer nun GEMA-Freie Musik einkaufen will, dann kann ich mich nicht auf die Angabe "GEMA-Frei" verlassen. Ich muss VOR dem Kauf zu erst bei der GEMA abklären lassen ob der Komponist Mitglied der GEMA ist. Und wenn er es ist, kann ich kein einziges seiner Stücke verwenden. Egal was der Komponist selbst über seine Werke schreibt. Aber damit nicht genug. Ich muss die Bestätigung auch immer dabei haben, wenn ich das Video mit der gekauften Musik irgendwo öffentlich Aufführen lasse. Denn nur so kann ich einem evt. GEMA-Mitarbeiter beweisen, dass das Stück das ich verwendet habe, GEMA-Frei ist. Das höchste an Perversion ist nun folgendes: Habe ich eine solche Bestätigung nicht, darf die GEMA bei mir Gebühren eintreiben, da es in Deutschland die sog. GEMA-Annahme gibt. Die besagt, dass die GEMA im zweifel annehmen darf, dass ein Künstler bei der GEMA registriert ist und Gebühren eintreiben darf, wenn ich es nicht widerlegen kann. Es findet also eine Beweis-Umkehr statt.

Wem schadet es?

Es schadet vor allem den Musikern, da in diesem Fall alle Musiker für mich raus fallen, die bei der GEMA Mitglied sind. Und die die es nicht sind eigentlich auch, dank der GEMA-Annahme.
Das muss man sich also mal vorstellen: Es gibt einen Komponisten der mir seine Musik verkaufen will, ich will die Musik auch kaufen, kann es aber nicht machen, weil ich bzw mein Kunde danach einen riesen bürokratischen Rattenschwanz anhängen hat, der nur Zeit, Geld und Nerven kostet.

Das muss nicht sein!!! Wieso, liebe GEMA, kann es nicht einfach so wie bei Fotografen laufen. Die sind doch auch total glücklich damit wie sie Ihre Bilder verkaufen können. Frei oder geschützt, wie sie eben wollen.

Just my 2 cents

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